iPhone 4G und das Keramik-Patent

Von am 19. April 2010 4 Kommentare 

Fotos zeigen das iPhone der nächsten Generation mit einer Rückseite aus Glas oder einem ähnlichen Material – es könnte sich um ein Keramikgehäuse handeln, wie es Apple bereits 2006 patentieren ließ

Fälschung oder nicht Fälschung, das ist bei den umlaufenden Fotos über das iPhone 4G schwer zu entscheiden. Joshua Topolsky bei Engadget.com erklärt ihre Echtheit lautstark als beweisen, obwohl eine Rückseite aus Glas doch erhebliche Zweifel an der Robustheit aufkommen lässt. John Gruber bei Daring Fireball legt seine Hände ebenfalls ins Feuer für ihre Echtheit:

“Mehrere Quellen, die mit dem nächsten iPhone vertraut sind, haben mir bestätigt, dass die Rückseite aus einer seltsamen Art von Glas gefertigt sind – und ziemlich genau so aussieht wie das, was bei Engadget abgebildet ist.”

Laut Gruber setzt Apple zwar mit Macbooks wie iPad ganz auf Aluminium, aber eben nicht beim iPhone, weil es die Sende- und Empfangsleistung zu sehr einschränkt. Ein Gehäuse aus gewöhnlichem Glas erscheint ihm zwar unwahrscheinlich, aber er verweist auf ein altes Patent von Apple für ein Keramikgehäuse, das eine Glas-ähnliche Erscheinung hat, aber robustere und weniger bruchanfällige Eigenschaften.

Das Keramik-Patent von Apple wurde bereits 2006 bekannt. Kaum jemand nahm damals Notiz davon, darauf basierende Produkte wurden bislang weder gesehen noch angekündigt (sofern es nicht die angeblichen Fotos von iPhone 4G erstmals zeigen). Das Patent wurde zu einer Zeit veröffentlicht, als das iPhone selbst nicht mehr als ein Gerücht war und noch niemand an so etwas wie einen iPod touch dachte.

Wie es der Zufall will, wurde ich schon damals – noch für eine andere Publikation – darauf aufmerksam und schrieb eine Geschichte darüber. Und Überraschung, sie erscheint heute aktueller als je zuvor. Deshalb ohne lange Vorreden der Beitrag vom 1. Dezember 2006 (vollständig und auch mit einzelnen Annahmen aus der Perspektive von damals, die sich nicht als richtig erwiesen):

Apple-Patent: Keramikgehäuse für iPod und iPhone?

Apple ist so geheimniskrämerisch wie keine andere Firma. Nur die rätselhaften Patente weisen den oft erstaunlichen Weg kommender i-Produkte.

Interessant an dem soeben bekannt gewordenen Patent ist die Tatsache, dass es sich ausdrücklich auch auf drahtlose Übertragungen bezieht. Das keramische Material soll nämlich durchlässig für Radiofrequenzen sein und kommt damit auch für die iPhones in Frage, deren Vorstellung allseits im Januar erwartet wird. Denn das keramische Material “ist besonders wichtig für drahtlose Handheld-Geräte mit Antennen innerhalb des Gehäuses. Die Durchlässigkeit erlaubt es den drahtlosen Signalen, durch das Gehäuse zu gelangen, und in einigen Fällen werden diese Übertragungen sogar verbessert.”

Das lässt auch schnell vermuten, dass die Apple-Entwickler an einem drahtlos kommunizierenden iPod arbeiten.
Vor allem aber geht es um geringere Herstellungskosten “mobiler Geräte” und zugleich um besseren Schutz vor versehentlicher Beschädigung:

“Keramik wurde in einer großen Vielfalt von Produkten verwendet einschließlich elektronischen Geräten wie Uhren, Telefongeräten und medizinischen Instrumenten. In all diesen Fällen wurden die keramischen Materialien jedoch nicht als strukturelle Komponenten eingesetzt. Meistens kamen sie nur als kosmetische Ausstaffierung zum Einsatz. Es wird angenommen, dass keramisches Material bis jetzt noch nie als strukturelles Element einschließlich strukturellen Rahmen, Wandungen und dem eigentlichen Gehäuse eines Gerätes der Unterhaltungselektronik verwendet wurde, insbesondere nicht dem Gehäuse eines tragbaren elektronischen Medienplayers oder eines Mobiltelefons.”

Eigentlich hätten sie auch gleich iPod und iPhone schreiben und eine Presseerklärung herausgeben können. Der damit erreichbare Schutz vor Beschädigungen lässt den INQ hiermit postulieren, dass das iPhone oder die iPhones mit Festplatten kommen werden.

Hier also die Beschreibung, wie sich zumindest die Entwickler von Apple die nächste Generation von iPods / iPhones vorstellen:

“Es werden bessere Gehäuse für tragbare elektronische Geräte benötigt. Insbesondere Gehäuse, die kosteneffektiver, kleiner, leichter, robuster und ästhetisch erfreulicher als gegenwärtige Gehäusedesigns sind.” Klar, dass Ästhetik und Design auch noch mit angesprochen werden mussten.

So ganz können wir uns übrigens auch mit dieser durchaus originellen Patentbeschreibung nicht anfreunden. Das Wörterbuch kennt nämlich längst “structural ceramics” und übersetzt das ausdrücklich für den technischen Bereich mit “Konstruktionskeramik” oder “Montagekeramik”. Vielleicht sehen die Apple-Entwickler aber auch gerne mal ins Wörterbuch und lassen sich dort zu neuen Patentanmeldungen inspirieren …

Abbildungen: Engadget.com

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Kommentare

4 Stellungnahmen zu “iPhone 4G und das Keramik-Patent”
  1. Kohloe sagt:

    Das ist ja quasi eine Anekdote. Oder ein Flashback?

    cool :D

  2. Anonymous sagt:

    Hattet ihr aber nicht mal eine Meldung über Risse in iPhone3G-Gehäuse, welche der verwendeten “Keramik” zu verdanken sind…?

    PS: das mit den Festplatten war aber auch schon zur damaligen Zeit Mist. ;P

  3. Anonymous sagt:

    Ich finde das Teil auf jeden Fall attraktiver, als die rundgelutschten aktuellen Geräte. Aber eins lernt Apple wohl nie: das spiegelnde Oberfläschen extrem Fettfinger anziehen, als auch im starken Sonnenlicht das Bild sehr schlecht lesbar ist.
    Nur eins wäre noch besser: eine Gerätestärke wie beim iPod tatsch!

  4. Bernd Kling sagt:

    Ja, die gute alte Zeit, als INQ noch INQ war …
    Das mit den Festplatten hätte ich jetzt auch lieber ausgelassen, aber das Internet vergisst eben nicht.
    Als sich 2008 Meldungen über Risse in iPhone 3G häuften, ging Apple wie üblich in Stummschaltung. Das wiederum löste Vermutungen aus, über die zu berichten war (“Einige vermuten aufgrund der Risse, Apple habe zumindest in der Beschichtung ein Keramikmaterial verwendet. Gestützt wird die Annahme durch ein Patent, das die Firma bereits Ende 2006 angemeldet hat. Darin ging es um ein keramisches Material, dass besonders durchlässig für Radiofrequenzen sein soll.”)