Bezahlmauern im Internet:Times verliert massiv Online-Leser

Von am 19. Juli 2010  

Nur 15.000 zahlende Abonnenten

Das Großexperiment mit den Online-Ausgaben von The Times und Sunday Times, um die hohe Bezahlmauern errichtet wurden, dürfte nicht den finanziellen Erwartungen von Medienmogul Rupert Murdoch entsprechen. Dan Sabbagh, der frühere Medienkorrespondent der Times, bekam erste Zahlen geflüstert. Demnach hatten sich in einer noch kostenlosen Probezeit gut 150.000 Leser registriert. Von diesen blieben nur noch 15.000 zahlende Abonnenten zurück, obwohl sie in einer weiteren Einführungsphase für den ersten Monat nur ein Britisches Pfund (1,18 Euro) bezahlen mussten. Daraus sollen später 1 Pfund täglich oder 2 Pfund wöchentlich werden.

Die Zahl von nur 15.000 Zahlwilligen wird “offenbar als enttäuschend angesehen”. Als besser gilt die Zahl von zusätzlich 12.500 Käufern der Times als App für das iPad, da Apples Medientablet noch eine prozentual geringe Verbreitung hat. Insgesamt scheinen die Zahlen Skeptiker zu bestätigen, die vor dem Bezahlmodell für Nachrichten im Internet warnten.

Aus anderen veröffentlichten Zahlen geht hervor, dass ein entscheidender Einbruch schon erfolgte, als die Times im Mai eine Registrierung mit persönlichen Daten verlangte. Das allein genügte, um rund 60 Prozent der Leser zu vertreiben. In der folgenden 1-Pfund-Probephase verlangsamte sich der weitere Rückgang, wirklich zu einem Online-Abo konnten sich letztlich nur relativ wenige Leser entscheiden.

Damit zeigt sich offenbar, dass das von Murdoch beim Wall Street Journal erfolgreich praktizierte Bezahlmodell eben nicht auf andere Zeitungen anzuwenden ist, auch wenn sie ähnlich renommiert sein sollten. Die Leser des Journal bezahlen für den wirtschaftlichen Nutzwert seiner Informationen, vielfach werden die Abonnements auch von Unternehmen bezahlt.

Die New York Times, die ein ähnliches Modell plant, sollte sich die Zahlen genauer ansehen. Und vielleicht versuchen, aus aktuellen Erfahrungen anderer zu lernen.

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